Kübler-Ross-Kurve
Ihr habt die Reorganisation sauber erklärt, und trotzdem arbeitet die Hälfte seit acht Wochen schlechter als vorher.
Die Kübler-Ross-Kurve beschreibt, wie Menschen eine Veränderung emotional durchlaufen. Auf der waagerechten Achse steht die Zeit, auf der senkrechten die eigene wahrgenommene Kompetenz. Und die geht in jedem Veränderungsprozess erst einmal nach unten, bevor sie wieder steigt.
Genau dieser Einbruch ist der Grund, warum Deine Leute nach der Ankündigung schlechter arbeiten als davor. Sie sind nicht unwillig. Sie sind gerade im Tal.
DIE SIEBEN PHASEN
Schock. Emotional distanziert, wortlos, Aufgaben laufen mechanisch weiter.
Verneinung. „Das betrifft uns nicht wirklich.“ „Das wird sowieso nicht umgesetzt.“ Der Rückzug in die Routineaufgaben beginnt.
Widerstand und Einsicht. Offener und verdeckter Widerstand, Frustration, Ärger, spürbarer Produktivitätsverlust.
Verhandeln. Die Suche nach dem Schlupfloch. „Können wir nicht einen anderen Weg finden?“
Depression. Rückzug, Motivationsverlust, mehr Fehltage. „Es hat sowieso keinen Zweck.“
Akzeptanz. Erste Offenheit, vorsichtiges Ausprobieren, die Stimmung dreht.
Integration. Das Neue gilt als normal, Eigeninitiative und eigene Ideen kommen zurück.
WAS DAS MODELL NICHT MEINT
Die Kurve ist kein Fahrplan. Menschen springen zurück, verharren wochenlang in einer Phase und durchlaufen sie unterschiedlich schnell. Wer sie als Projektplan liest, wird enttäuscht.
Sie ist auch keine Entschuldigung. Das Tal erklärt einen Leistungseinbruch, es rechtfertigt keinen dauerhaften.
Und sie beschreibt keine Schwäche. Diese Kurve durchläuft die Geschäftsführung genauso wie die Werkshalle, nur zeitversetzt. Wer die Veränderung entschieden hat, ist Monate weiter als der, der sie am Montag erfährt. Dieser Zeitversatz erzeugt die meisten Missverständnisse in Veränderungsprozessen.
WIE ICH DAMIT ARBEITE
Für mich ist die Kurve vor allem ein Diagnosewerkzeug. Wenn ich weiß, in welcher Phase ein Team gerade steckt, weiß ich, was hilft und was schadet.
Im Schock hilft Ruhe und eine klare, einfache Information. Im Widerstand hilft Zuhören, und zwar so lange, bis die Sorge ausgesprochen ist. In der Depression helfen kleine Erfolge und Wertschätzung. In der Akzeptanz hilft, Erfolge sichtbar zu machen.
Was in keiner Phase hilft, ist Tempo. Die Dinge brauchen so lange, wie man ihnen Zeit gibt, und eine Führungskraft, die das Tal überspringen will, verlängert es.