Energie durch Entwicklung
Glossar

Psychohygiene

Nach dem dritten schwierigen Gespräch an diesem Tag fährst Du nach Hause und nimmst alle drei mit.

Victoria Beckers 2 Min. Lesezeit

Psychohygiene bezeichnet den bewussten Umgang mit der eigenen seelischen Gesundheit. Der Begriff ist alt, Robert Sommer hat ihn um 1900 geprägt, und er ist unspektakulärer, als er klingt: die Seele aufräumen, damit Stress, Sorge und Zweifel nicht liegen bleiben.

Der Vergleich, der mir dazu am nächsten liegt, kommt aus meinem eigenen Garten. Ich habe eine Woche gebraucht, um dieses Gartenhaus aufzuräumen. Nicht weil so viel drin war, sondern weil ich es zwei Jahre lang nicht angefasst hatte.

SIEBEN WEGE, DIE IM ALLTAG FUNKTIONIEREN

  • Bewusste Entspannung, verabredet und nicht zufällig
  • Atmung, weil sie das schnellste Werkzeug ist, das Du immer dabeihast
  • Sorgen aufschreiben, damit sie den Kopf verlassen und auf dem Papier landen
  • Bewegung, auch in kleiner Dosis
  • Kontakt zu Menschen, die nichts von Dir wollen
  • Etwas tun, das nichts bringt
  • Schlaf, und zwar als Führungsaufgabe, nicht als Restgröße

PSYCHOHYGIENE ALS FÜHRUNGSKRAFT

Der Teil, der in den meisten Texten fehlt. Als Führungskraft bist Du nur dann eine wirkungsvolle Unterstützung für andere, wenn Du selbst mental, seelisch und körperlich in guter Verfassung bist.

Bei schwierigen Gesprächen hilft mir eine feste Klammer, davor und danach.

Vorher. Was ist mein Ziel für dieses Gespräch? Was befürchte ich? Was davon gehört mir, und was gehört der Sache?

Nachher. Was ist tatsächlich passiert? Was davon nehme ich mit, und was lasse ich hier? Wen muss ich informieren, und wen nicht?

Diese zweite Frage ist die wichtigere. Ohne sie fahren alle drei Gespräche mit nach Hause.

WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT

Psychohygiene ist keine Therapie. Sie ist Vorsorge im Alltag, und sie ersetzt keine Behandlung, wenn eine gebraucht wird.

Sie ist auch kein Wellness-Programm. Ein Obstkorb im Foyer und ein Achtsamkeitsseminar im Herbst ersetzen keine Arbeitsorganisation, die Erholung überhaupt zulässt.

Und sie ist keine Privatsache. Eine Führungskraft, die dauerhaft über ihrer Grenze arbeitet, produziert ein Team, das dasselbe tut.

Und jetzt?

Was Du nicht aufräumst, sammelt sich. Zwei Jahre später brauchst Du eine Woche dafür. Wenn Du seit Monaten alles mit nach Hause nimmst, lass uns eine halbe Stunde sprechen.

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