Selbstführung
Du hältst alles zusammen. Und Du kommst nicht dazu, die Frage zu stellen, wer eigentlich Dich hält.
Selbstführung heißt, sich über die eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen im Klaren zu sein und sie bewusst zu steuern. Sie kommt vor der Führung anderer, und zwar nicht als Rangfolge, sondern als Voraussetzung.
Der Satz dahinter ist unbequem. Du führst Dein Team so, wie Du mit Dir selbst umgehst. Wer sich selbst keine Pause zugesteht, gesteht sie auch keinem anderen zu, ganz gleich, was im Leitbild steht.
WORAN SICH SELBSTFÜHRUNG IM ALLTAG ZEIGT
Sie zeigt sich an unspektakulären Stellen.
Du merkst im Meeting, dass Du gerade gereizt bist, und entscheidest Dich, den Satz nicht zu sagen. Du sagst einen Termin ab, weil Du weißt, dass Du mit dieser Vorbereitung niemandem nützt. Du gehst nach einem schwierigen Gespräch fünf Minuten um den Block, bevor Du das nächste führst.
Und sie zeigt sich daran, was Du morgens nach dem Aufwachen denkst. Eine Kundin hat mir das einmal so beschrieben: Ich stehe morgens auf und werfe kein Konfetti.
DIE VIER EBENEN, AUF DIE ICH GUCKE
Wahrnehmung. Merkst Du überhaupt, wie es Dir gerade geht? Das ist die Ebene, auf der die meisten Führungskräfte aussteigen, weil sie sich das über Jahre abgewöhnt haben.
Deutung. Welche Geschichte erzählst Du Dir über das, was passiert ist? Hier sitzen die Glaubenssätze und die inneren Antreiber.
Regulation. Was tust Du, wenn Dein System hochfährt? Atmung, Bewegung, Abstand, Schlaf.
Entscheidung. Handelst Du aus Klarheit oder aus Reflex? Der Unterschied entscheidet, ob Dein Team Führung erlebt oder Stimmung.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Selbstführung ist keine Selbstoptimierung. Es geht nicht darum, mehr zu schaffen. Es geht darum, im entscheidenden Moment handlungsfähig zu sein.
Sie ist auch keine Disziplinfrage. Wer sich mit noch mehr Härte steuert, verschärft das Problem.
Und sie ist keine private Angelegenheit. In einer Führungsrolle wirkt Deine Verfassung auf zehn, dreißig oder zweihundert Menschen. Das macht sie zur beruflichen Aufgabe.
Wegen zehn Minuten machen wir uns auch nicht ins Hemd. Wegen zwei Jahren im roten Bereich schon.