Energie durch Entwicklung
Glossar

Achtsamkeit

Du weißt hinterher genau, was Du hättest sagen sollen. In der Situation selbst fällt es Dir nie ein.

Victoria Beckers 2 Min. Lesezeit

Achtsamkeit ist eine Form der Aufmerksamkeit. Ein klarer Bewusstseinszustand, der es erlaubt, jede innere und äußere Erfahrung im gegenwärtigen Moment zu registrieren und zuzulassen, ohne sie sofort zu bewerten.

Das klingt nach Meditationskissen und ist in Wahrheit die Voraussetzung dafür, dass Du im Meeting den Reflex bemerkst, bevor er Dich steuert.

WARUM DAS IN FÜHRUNG ZÄHLT

Eine Kundin hat den Punkt einmal genau getroffen: In der Situation selbst erkenne ich den Reflex nicht und falle in alte Gewohnheiten.

Genau dort setzt Achtsamkeit an. Sie schiebt einen Moment zwischen den Reiz und Deine Reaktion, und in diesem Moment entsteht die Wahl.

Konkret bringt sie fünf Dinge mit.

  • Volle Präsenz im Gespräch, statt schon bei der nächsten Sitzung zu sein
  • Zugang zu den eigenen Kraftquellen, also die Grundlage von Selbstfürsorge
  • Kenntnis der eigenen Reflexe, Automatismen und Glaubenssätze
  • Die Grundlage jeder Verhaltensänderung, denn was Du nicht bemerkst, kannst Du nicht ändern
  • Die Fähigkeit, im Gespräch kurz herauszutreten und auf das Gespräch zu gucken

DAS PROBLEM MIT DER WAHRNEHMUNG

Wir halten unsere Wahrnehmung für die Wirklichkeit, und das ist sie nicht. Der erste Eindruck prägt, ein auffälliges Merkmal überstrahlt andere, das zuletzt Gesagte wiegt schwerer als das davor.

Dazu kommt das Mengenverhältnis. Bewusst verarbeitet unser Gehirn etwa hundert Bit pro Sekunde. Unbewusst arbeitet es in einer Größenordnung, die sich mit zehn Milliarden angeben lässt.

Der Satz, den ich dazu in meinen Unterlagen stehen habe: Wir sehen nur, was wir wissen.

WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT

Achtsamkeit ist keine Entspannungstechnik. Sie kann entspannen, das ist ein Nebeneffekt.

Sie ist auch keine Haltung des Geschehenlassens. Wer wahrnimmt, was ist, kann danach sehr klar entscheiden.

Und sie ist kein weiches Thema. Die neurobiologischen Effekte von Achtsamkeitstraining sind gut beschrieben: Verdichtung im präfrontalen Kortex, der die Aufmerksamkeit steuert, Verdichtung in der Insula, die für Selbstwahrnehmung und Empathie zuständig ist, Stärkung des Hippocampus für Lernen und Gedächtnis, und eine Verringerung der Zellen in der Amygdala, dem Angstzentrum. Weniger Amygdala heißt weniger Reflex.

Und jetzt?

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Moment. In diesem Moment liegt Deine Führung. Wenn Du regelmäßig hinterher weißt, was richtig gewesen wäre, lass uns eine halbe Stunde sprechen.

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