Energie durch Entwicklung
Glossar

Metaebene

Das Meeting läuft seit vierzig Minuten, und jeder wiederholt sein Argument eine Spur lauter.

Victoria Beckers 2 Min. Lesezeit

Auf die Metaebene wechseln heißt, für einen Moment aus dem Geschehen herauszutreten und auf das Geschehen zu gucken. Statt weiter im Gespräch zu argumentieren, sprichst Du über das Gespräch. Statt das dritte Sachargument zu bringen, benennst Du, dass hier gerade zum dritten Mal dasselbe gesagt wird.

Das ist eine der wenigen Bewegungen, die eine festgefahrene Situation in zwei Sätzen öffnen kann.

SO SIEHT DAS IM ALLTAG AUS

Zwei Bereiche verhandeln seit vier Wochen über eine Schnittstelle. In jedem Termin liegen dieselben Folien auf dem Tisch, in jedem Termin geht es eine halbe Stunde länger als geplant, und beim Rausgehen sagt jeder seinem Team, die anderen stellen sich quer.

Der Wechsel auf die Metaebene klingt dann so: „Mir fällt auf, dass wir seit vier Wochen dieselben drei Folien besprechen. Was hindert uns eigentlich an einer Entscheidung?“

Danach ist die Schnittstelle für zehn Minuten kein Thema mehr, und die Frage, wer hier eigentlich entscheiden darf, kommt zum ersten Mal auf den Tisch.

WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT

Metaebene meint kein Ausweichen. Wer bei jeder unbequemen Sachfrage die Perspektive wechselt, drückt sich vor der Entscheidung.

Sie meint auch keine Position von oben. Wer von der Metaebene aus bewertet, wie die anderen sich verhalten, macht daraus einen Machtzug, und dann macht das Gespräch zu.

Und sie meint kein Psychologisieren. Es geht um das beobachtbare Muster im Raum, nicht um die Kindheit der Beteiligten.

Ehrlicherweise gehört der Begriff selbst auf meine Liste der Wörter, die ich vermeide. „Lass uns mal auf die Metaebene gehen“ ist in vielen Häusern eine Floskel geworden, und je öfter sie fällt, desto weniger passiert danach. Die Bewegung dahinter halte ich trotzdem für eines der wirksamsten Werkzeuge in Führung und Moderation. Deshalb dieser Eintrag.

WIE ICH DEN WECHSEL MACHE

Drei Handgriffe, die ich in fast jedem Workshop benutze.

Erstens, die Beobachtung vor die Bewertung. Ich sage, was ich sehe, nicht was ich davon halte. „Wir hören dieses Argument zum dritten Mal“ statt „wir drehen uns im Kreis, das bringt nichts“.

Zweitens, die Hypothese statt des Urteils. Ein Urteil erzeugt Widerspruch, eine Hypothese erzeugt ein Gespräch. Deshalb hänge ich meistens einen Halbsatz an: Das ist meine ganz steile Hypothese, und widersprich mir gerne, wenn Du sagst, nee, das ist eigentlich ganz anders.

Drittens, die Frage, die ich am häufigsten stelle. Stell Dir vor, Du wärst Dein eigener externer Berater und würdest von außen auf dieses Team gucken. Was würdest Du diesem Team raten?

Diese Frage arbeitet, weil sie eine Erlaubnis mitliefert. Als Externe habe ich eine Narrenfreiheit, ich darf Dinge aussprechen, die intern niemand aussprechen kann, ohne sich Ärger einzuhandeln. Der Wechsel auf die Metaebene ist die Technik, mit der eine Führungskraft sich ein Stück dieser Narrenfreiheit selbst verschafft.

Und jetzt?

Die Sachfrage bewegt sich oft erst, wenn jemand kurz aufhört, sie zu diskutieren. Wenn bei Euch ein Termin seit Wochen dieselbe Runde dreht, lass uns eine halbe Stunde sprechen.

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