Energie durch Entwicklung
Glossar

Eisbergmodell

Neunzig Prozent von dem, was in Eurem Meeting passiert, steht nicht auf der Agenda.

Victoria Beckers 2 Min. Lesezeit

Das Eisbergmodell beschreibt, dass in Organisationen und in Gesprächen nur ein kleiner Teil sichtbar ist. Über der Wasseroberfläche liegen die Sachebene und das beobachtbare Verhalten, also Zahlen, Prozesse, Aufgaben, das gesprochene Wort. Unter der Oberfläche liegt alles, was mitwirkt, ohne benannt zu werden.

Der Anteil ist ungleich verteilt, und darin liegt der Nutzen des Bildes. Der sichtbare Teil ist der kleinere.

DIE SCHICHTEN UNTER WASSER

Der sichtbare Teil ist der kleinereÜber der Wasseroberfläche Sachebene und beobachtbares Verhalten, Zahlen, Prozesse, Aufgaben, das gesprochene Wort. Darunter, von oben nach unten: Beziehungen: wer mit wem kann und wer mit wem seit zwei Jahren nicht mehr; Werte: prägen das Verhalten unmittelbar, und Du kannst sie benennen; Glaubenssätze und ungeschriebene Gesetze: laufen unbewusst, am schwersten zu erkennen und am wirksamsten.WasseroberflächeSachebene undbeobachtbares VerhaltenZahlen, Prozesse, Aufgaben,das gesprochene WortBeziehungenwer mit wem kann und wer mit wemseit zwei Jahren nicht mehrWerteprägen das Verhalten unmittelbar,und Du kannst sie benennenGlaubenssätze undungeschriebene Gesetzelaufen unbewusst, am schwersten zu erkennenund am wirksamsten
Der sichtbare Teil ist der kleinere

Direkt unter der Oberfläche liegen die Beziehungen, also wer mit wem kann und wer mit wem seit zwei Jahren nicht mehr.

Darunter die Werte. Sie liegen ebenfalls unter Wasser, aber dicht darunter, weil sie das Verhalten unmittelbar prägen und weil Du sie benennen kannst, wenn Dich jemand fragt.

Und ganz unten liegen die Glaubenssätze und die ungeschriebenen Gesetze. Die laufen unbewusst, und genau deshalb sind sie am schwersten zu erkennen und am wirksamsten.

SO SIEHT DAS IM ALLTAG AUS

Ein Projekt steht seit sechs Wochen. Über Wasser diskutiert Ihr über Ressourcen, Schnittstellen und die Frage, ob das Lastenheft vollständig ist. Unter Wasser läuft etwas anderes: Zwei Abteilungsleiter haben sich vor drei Jahren im Zuge einer Reorganisation überworfen, und seitdem gibt keiner dem anderen einen Meter.

Ihr könnt das Lastenheft dreimal überarbeiten. Das Projekt bewegt sich erst, wenn jemand die Ebene darunter anspricht.

WAS DAS MODELL NICHT MEINT

Es meint nicht, dass die Sachebene unwichtig ist. Zahlen, Prozesse und Zuständigkeiten braucht jede Organisation, und ich bin ausdrücklich für gute Organisationsanweisungen.

Es meint auch nicht, dass alles Verborgene problematisch ist. Unter Wasser liegt genauso viel Loyalität, Verbundenheit und stille Kompetenz.

Und es liefert keine Ausrede, jedes Sachproblem zum Beziehungsproblem zu erklären. Manchmal fehlen schlicht drei Leute.

WARUM ICH IMMER MIT DIESEM BILD ANFANGE

Weil es in einer Grafik erklärt, warum ein sauberer Prozess trotzdem nicht läuft. Alle haben genickt, alle haben zugestimmt, und keiner hält sich dran. Über Wasser stimmt alles. Unter Wasser gilt etwas anderes.

Und weil das Bild einer Geschäftsführung erlaubt, über die untere Ebene zu sprechen, ohne dass jemand persönlich beschuldigt wird. Es geht um das Phänomen, nicht um Personen. Genau an dieser Stelle wird der Elefant im Raum besprechbar.

Und jetzt?

Ihr könnt über Wasser sortieren, so lange Ihr wollt. Wenn sich seit Monaten nichts bewegt, lass uns eine halbe Stunde sprechen.

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