Klartext
Es wird keiner erschossen. Das kann man auch mal aufs Flipchart schreiben.
Das, was ich in Führungsteams häufig beobachte, ist, dass alle die eine Sache kennen, die niemand anspricht. Eine Kundin hat es mir so beschrieben: das ist die Atombombe, in die sich keiner traut.
Klartext bedeutet Klarheit und Mut. Den Mut, das auszusprechen, was ausgesprochen werden muss, und das deutlich zu tun. Es geht darum, das zu benennen, was ohnehin schon im Raum steht und eine Klärung braucht.
SO SIEHT DAS IM ALLTAG AUS
Zwei Bereichsleiter arbeiten seit acht Monaten gegeneinander. In jedem Meeting ist es zu spüren, im Protokoll steht davon nichts. Beide reden übereinander, keiner miteinander. Klartext heißt an dieser Stelle nicht, laut zu werden. Es heißt, den Satz zu sagen, den beide denken: Ihr zieht in unterschiedliche Richtungen, und das kostet Eure Teams jede Woche Zeit.
Mein eigener Satz dafür ist inzwischen ein Running Gag bei meinen Kunden: Schätzelein, das geht so nicht.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Klartext meint keine Rücksichtslosigkeit und keine Grobheit. „Ich sage halt Klartext“ als Entschuldigung für unangemessene Direktheit ist das Gegenteil von dem, was ich meine.
Klartext meint auch nicht, ungebremst persönliche Meinungen loszuwerden. Und Klartext verletzt niemanden und beschämt niemanden.
Klartext braucht Mut, nicht Lautstärke. Genauigkeit, nicht Schroffheit.
WARUM SO VIELE DAVOR ZURÜCKSCHRECKEN
Wenn ich Führungskräfte frage, was sie davon abhält, das Gespräch zu führen, kommt fast nie eine fachliche Antwort. Es kommt eine Sorge. Und diese Sorge hat meistens die Größe eines Scheinriesen. Je näher Du herangehst, desto kleiner wird er.
Deshalb stelle ich vor jedem schwierigen Gespräch dieselbe Frage: Welcher Donnerblitz soll denn da vom Himmel kommen? Was explodiert genau, und wer fällt tot um?
In den allermeisten Fällen lautet die Antwort: nichts und niemand. Die Welt explodiert nicht. Was tatsächlich passiert, ist ein unangenehmer Moment von vielleicht neunzig Sekunden, und danach ist ein Thema besprechbar, das monatelang im Weg lag.
Die Kunst dabei ist, das so zu tun, dass niemand das Gesicht verliert. Klarheit mit Würde. Beides zusammen, sonst gewinnst Du das Gespräch und verlierst die Person.