Feedback
Nach dem Gespräch hat sich nichts geändert, außer dass Ihr jetzt beide angespannt seid.
Feedback teilt einem Menschen mit, wie sein Verhalten auf mich wirkt. Ziel ist eine Veränderung, keine Bestrafung. Feedback dient der Hilfe zur Selbsthilfe.
Der Grund, warum Feedback so oft nichts bewegt, liegt selten am Mut. Er liegt daran, dass es an der falschen Stelle ansetzt.
VIER HÄUTE, UND NUR EINE DAVON FUNKTIONIERT
Ein Bild aus meinen Unterlagen, das ich in fast jedem Training benutze. Der Mensch hat vier psychologische Häute, und je nachdem, welche Du mit Deiner Rückmeldung ansprichst, kannst Du die Reaktion vorhersagen.
Die Person. „Du bist unzuverlässig.“ Trifft die Persönlichkeit, erzeugt Abwehr.
Die Funktion. „Als Projektleiter kannst Du das nicht bringen.“ Trifft die Rolle, erzeugt Abwehr.
Die Handlung. „Du bist zu spät gekommen.“ Trifft das Tun, erzeugt Rechtfertigung.
Die Wirkung. „Wenn Du um 8:20 Uhr kommst und nicht um 8:00 Uhr, warten sieben Leute, und wir fangen mit zwanzig Minuten Rückstand an.“ Das ist die einzige Haut, auf der eine Veränderung entsteht.
Bei den ersten drei baut Dein Gegenüber innerhalb von Sekunden einen Schutzschild auf, und eine längerfristige Veränderung ist damit nahezu ausgeschlossen.
FEEDBACK UND KRITIK SIND ZWEIERLEI
Die Grenze ist fließend, der Unterschied liegt in der Verbindlichkeit.
Feedback teilt eine Wahrnehmung mit. „Gestern hattest Du Jeans und Sakko an. Ich halte das für nicht ganz passend und bitte Dich, bei solchen Terminen einen Anzug zu tragen.“
Kritik gibt eine Linie vor. „Beim gestrigen Kundentermin warst Du unpassend gekleidet. Ich erwarte, dass Du bei solchen Terminen ab sofort Anzug trägst.“
Ohne Kritik ist Führung nicht möglich. Kritik ist eine Form des Feedbacks, nur die deutlichere.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Feedback ist keine Meinung über einen Menschen. Es ist eine Beschreibung Deiner Wahrnehmung, und Deine Wahrnehmung ist immer situativ, selektiv und subjektiv.
Es ist auch kein Jahresritual. Was einmal im Jahr gesagt wird, kommt zwölf Monate zu spät.
Und es ist keine Einbahnstraße. Eine Führungskraft, die Feedback gibt und keins einfordert, bekommt nach zwei Jahren nur noch das zu hören, was ohnehin niemandem wehtut.
SECHS REGELN, DIE ICH FÜR DIE WICHTIGSTEN HALTE
- Unter vier Augen, immer. Öffentliche Kritik erzeugt Abwehr durch Bloßstellung.
- Zeitnah. Ein Anlass wartet nicht auf den nächsten Turnus.
- Ich-Botschaft. „Ich habe den Eindruck, die Vertriebsaktion läuft nicht rund. Wie siehst Du das?“ statt „Die Aktion läuft miserabel.“
- Keine Verallgemeinerung. Nie und immer haben in einer Rückmeldung nichts verloren.
- Person und Verhalten trennen. Dein Verhalten ist nicht in Ordnung, nicht Du bist nicht in Ordnung.
- Aus einer Mücke keinen Elefanten machen. Kleine Anlässe ruhig ansprechen, ohne eine Szene daraus zu bauen.
Und eine Regel für die Empfängerseite: kein Feedback auf Feedback. Wer eine Rückmeldung bekommt, hört zu und rechtfertigt sich nicht.