Konflikt
Die Krankenquote in der Abteilung steigt seit vier Monaten, und niemand bringt das mit dem Streit vom Frühjahr zusammen.
Ein Konflikt entsteht, wenn die Belange von zwei Menschen oder zwei Gruppen unvereinbar scheinen und mindestens eine Seite das als Beeinträchtigung erlebt. Das Wort scheinen ist wichtig. In der Sache liegt oft weniger auseinander als im Erleben.
Das, was ich in Unternehmen häufig beobachte, ist nicht der laute Streit. Es ist die Vermeidung. Konflikte werden totgeschwiegen, bis sie eskalieren, und dann sind sie teuer.
WORAN DU EINEN KONFLIKT ERKENNST, BEVOR ER LAUT WIRD
Die Anzeichen stehen selten im Protokoll. Sie stehen in den Zahlen und im Verhalten.
- Häufigere Krankmeldungen in einem Bereich
- Versetzungsanträge, die vorher nicht kamen
- Dienst nach Vorschrift, wo vorher mitgedacht wurde
- Ein Umgangston, der kühler geworden ist
- Mehr Fehler bei gleicher Aufgabenlast
- Kundenbeschwerden über Abstimmung
- Meetings, die pünktlich enden, weil niemand mehr etwas beiträgt
- Zwei Leute, die sich seit Wochen nicht mehr direkt ansprechen
SIEBEN ARTEN, DIE ICH AUSEINANDERHALTE
Beziehungskonflikte, Kommunikationskonflikte, Verteilungskonflikte, Rollenkonflikte, Sachkonflikte, Wertkonflikte, Machtkonflikte.
Die Unterscheidung ist keine Theorie. Sie entscheidet über die Behandlung. Ein Verteilungskonflikt lässt sich verhandeln. Ein Wertkonflikt nicht. Und ein Rollenkonflikt löst sich nicht durch ein gutes Gespräch, sondern durch eine Entscheidung darüber, wer den Hut aufhat.
Am häufigsten sehe ich Rollenkonflikte, die als Beziehungskonflikte verhandelt werden. Zwei Menschen streiten sich seit Monaten und halten sich für unverträglich. In Wahrheit hat nie jemand geklärt, wer entscheidet.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Ein Konflikt ist kein Zeichen für ein schlechtes Team. Wo Menschen zusammenarbeiten und etwas erreichen wollen, entstehen Konflikte. Ein Bereich ohne Konflikte ist selten harmonisch, meistens ist er nur still.
Ein Konflikt ist auch keine Charakterfrage. Die Zuschreibung, jemand sei schwierig, beendet jede Bearbeitung.
Und Konfliktmanagement heißt nicht gewinnen. Es heißt, gegenseitiges Verständnis herzustellen und zu tragfähigen Absprachen zu kommen. Es gibt eben nicht nur die Friede-Freude-Eierkuchen-Lösung eines Streits.
MEINE POSITION
Der häufigste Umgang mit Konflikten im Mittelstand und in der Verwaltung ist das Aussitzen. Die Hoffnung dahinter lautet, dass sich das mit der Zeit gibt.
Zeit heilt an dieser Stelle die Wunde nicht. Das ist das falsche Medikament.
Was tatsächlich passiert, ist eine Wanderung nach unten. Aus der Verstimmung wird eine Debatte, aus der Debatte ein Kontaktabbruch, und irgendwann bilden sich Lager. Je später Du eingreifst, desto teurer wird es, und desto weniger Wege stehen offen.