Energie durch Entwicklung
Glossar

Mediation

Zwei Bereichsleiter sprechen seit einem halben Jahr nur noch über Dritte miteinander.

Victoria Beckers 2 Min. Lesezeit

Mediation ist ein strukturiertes und vertrauliches Verfahren, in dem eine neutrale dritte Person die Kommunikation zwischen den Streitenden wieder in Gang bringt. Die Besonderheit steht im Verfahren selbst: Der Mediator bewertet die Positionen nicht und schlägt auch keine Lösung vor. Die Beteiligten erarbeiten sie selbst.

Genau darin liegt die Wirkung. Eine Lösung, die von außen kommt, wird umgesetzt, solange jemand hinguckt. Eine Lösung, die beide selbst gefunden haben, hält auch danach.

WIE EIN VERFAHREN ABLÄUFT

Vereinbarung. Vertraulichkeit, Zeitrahmen, Rollen und Kosten werden vorab geklärt und schriftlich festgehalten.

Bestandsaufnahme. Die Grundsätze des Verfahrens werden erläutert, die Themen gesammelt.

Offenlegung. Beide Seiten schildern ihre Sicht und, das ist der entscheidende Schritt, die Beweggründe dahinter. Positionen liegen weit auseinander. Interessen selten.

Lösungssuche. Beide entwickeln gemeinsam Möglichkeiten, ohne dass jemand von außen bewertet.

Abschlussvereinbarung. Schriftlich, konkret, mit Zuständigkeiten und Terminen.

Eine Wirtschaftsmediation dauert je nach Lage etwa fünfzehn bis zwanzig Stunden, verteilt auf mehrere Sitzungen.

ABGRENZUNG ZU SCHLICHTUNG UND SCHIEDSVERFAHREN

Diese drei Verfahren werden regelmäßig verwechselt, und der Unterschied ist erheblich.

Mediation. Die neutrale Person moderiert und bewertet nicht. Die Lösung kommt von den Beteiligten.

Schlichtung. Die neutrale Person bewertet Sachverhalt und Positionen und macht am Ende einen eigenen Vorschlag. Annehmen müssen die Beteiligten ihn nicht.

Schiedsverfahren. Die Beteiligten unterwerfen sich vorab dem Spruch eines Schiedsgerichts. Der Spruch ist bindend und international vollstreckbar.

Die Faustregel dazu ist einfach. Braucht Ihr eine Entscheidung über etwas Vergangenes, kommt das Schiedsverfahren infrage. Braucht Ihr eine Verabredung für die Zukunft, und müsst Ihr danach weiter miteinander arbeiten, ist die Mediation der Weg.

WANN MEDIATION PASST

  • Wenn die Verhandlungen festgefahren sind
  • Wenn beide Seiten danach weiter zusammenarbeiten müssen
  • Wenn eine Lösung ohne Gesichtsverlust gebraucht wird
  • Wenn Vertraulichkeit zählt
  • Wenn ein teures und langwieriges Verfahren vermieden werden soll

WAS MEDIATION NICHT IST

Sie ist keine Therapie. Es geht um eine Verabredung für die Zusammenarbeit, nicht um die Aufarbeitung von Biografien.

Sie ist auch kein Schiedsspruch. Wer eine Entscheidung von außen erwartet, wird enttäuscht.

Und sie ist keine Garantie. Beide Seiten müssen freiwillig teilnehmen. Wir können keinen zum Altar tragen.

WARUM ICH DAMIT ARBEITE

Ich habe den Master in Mediation mit Schwerpunkt Wirtschaftsmediation an der Europa-Universität Viadrina gemacht. Das ist der Grund, warum ich bei festgefahrenen Situationen selten mit einem Workshop anfange und häufiger mit einem geordneten Verfahren.

Und es ist der Grund für meine liebste Beobachtung in diesem Feld: Wenn zwei Menschen ihre Lösung selbst erarbeitet haben, halten sie sich daran. Respekt, wer es selber macht.

Und jetzt?

Eine Lösung von außen hält, solange jemand hinguckt. Eine selbst erarbeitete hält auch danach. Wenn bei Euch etwas festgefahren ist, lass uns eine halbe Stunde sprechen.

Termin vereinbaren

Zurück zur Glossar-Übersicht