Energie durch Entwicklung
Glossar

Leitbild

Ein DIN-A4-Zettel mehr in der Handtasche macht den Braten nicht fett.

Victoria Beckers 2 Min. Lesezeit

Ein Leitbild beschreibt, wofür ein Unternehmen steht und wohin es will. Es bündelt drei Dinge: die Vision, also das Bild von der Zukunft, den Auftrag, also wofür es Euch überhaupt gibt, und die Werte, an denen Ihr Euch messen lasst.

Gut gemacht gibt ein Leitbild Orientierung bei Entscheidungen, die niemand vorhergesehen hat. Schlecht gemacht hängt es gerahmt im Foyer und niemand kann es zitieren.

SO SIEHT DAS IM ALLTAG AUS

Der Test für ein Leitbild läuft nicht im Workshop, er läuft in der Kaffeeküche. Frag drei Leute aus drei Abteilungen, wofür Ihr steht. Wenn drei verschiedene Antworten kommen und keine davon dem Rahmen im Foyer ähnelt, habt Ihr ein Papier und kein Leitbild.

Das, was ich häufig beobachte, ist ein sauberer Prozess mit einem schwachen Ende. Die Geschäftsführung investiert zwei Klausurtage, eine Agentur macht ein hübsches Layout, alle sind zufrieden, und danach passiert nichts mehr. Der Zettel liegt in der Handtasche, und der Braten wird davon nicht fett.

WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT

Ein Leitbild ist kein Marketingtext. Wenn es sich liest wie eine Imagebroschüre, hat es seinen Zweck verfehlt.

Es ist auch keine Beschreibung des Ist-Zustands. Ein Leitbild darf ein Stück vor Euch liegen, sonst braucht Ihr keines.

Und es ist kein Kulturersatz. Ein Leitbild beschreibt, was Ihr sein wollt. Was Ihr seid, entscheidet sich eine Ebene tiefer.

WAS EIN LEITBILD BRAUCHT, DAMIT ES ETWAS ÄNDERT

Drei Dinge, aus der Praxis.

Beteiligung. Ein Leitbild, das die Geschäftsführung allein schreibt, gehört der Geschäftsführung. Wer es später leben soll, muss vorher gehört worden sein.

Übersetzung in Verhalten. Jeder Satz braucht ein Beispiel aus Eurem Alltag. Nicht „wir kommunizieren offen“, sondern „wenn mir etwas an Deiner Arbeit auffällt, sage ich es Dir und nicht Deinem Kollegen“.

Ein Umgang mit Abweichung. Der wichtigste und der unbequemste Punkt. Ein Leitbild wird in dem Moment ernst, in dem sich jemand nicht daran hält und das Konsequenzen hat. Bleibt die Abweichung folgenlos, habt Ihr allen im Haus beigebracht, dass das Papier nicht gilt.

Und jetzt?

Ein Leitbild wird an dem Tag ernst, an dem es jemanden etwas kostet. Wenn bei Euch ein Leitbildprozess ansteht oder einer versandet ist, lass uns eine halbe Stunde sprechen.

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