Unternehmenswerte
Fünf Wörter an der Wand, und keines davon steht im Kalender.
Ein Wert ist eine Qualität, die Euch besonders wichtig ist. Ihr legt sie als Maßstab an das eigene Verhalten und an das der anderen an. Wenn Sorgfalt für mich einen hohen Stellenwert hat, achte ich darauf, meine Dinge sorgfältig zu erledigen, und ich bewerte es kritisch, wenn jemand schlampig arbeitet.
Unternehmenswerte machen daraus einen gemeinsamen Maßstab. Sie beantworten die Frage, woran Ihr Euch messen lasst, wenn es eng wird.
SO SIEHT DAS IM ALLTAG AUS
Wertschätzung steht auf dem Poster. Im Quartalsgespräch sitzt eine Führungskraft mit halbem Blick auf dem Handy und beendet den Termin nach zwölf Minuten, weil das nächste Meeting drückt.
Verlässlichkeit steht auf dem Poster. Die Zusage aus dem Führungskreis, dass die neue Rollenverteilung bis Ende März steht, wird zum dritten Mal verschoben, ohne dass jemand es sagt.
Das ist der Moment, in dem Werte über ihren tatsächlichen Wert entscheiden. Ein Wert zeigt sich nicht, wenn er nichts kostet. Er zeigt sich, wenn er etwas kostet.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Werte sind keine Glaubenssätze. Deine Werte kannst Du benennen, wenn ich Dich frage. Die Sätze, nach denen Du tatsächlich handelst, liegen tiefer und laufen unbewusst. Genau daraus entsteht die Lücke zwischen Poster und Praxis.
Werte sind auch keine Eigenschaften, die man sich aussucht, weil sie gut klingen. Fast jedes Wertepapier in Deutschland enthält Respekt, Vertrauen und Innovation. Wenn alle dasselbe schreiben, unterscheidet es niemanden.
Und Werte sind keine Regeln. Eine Regel sagt, was Du tun musst. Ein Wert sagt, woran Du Dich orientierst, wenn keine Regel greift.
WIE AUS EINEM WORT VERHALTEN WIRD
Ich arbeite in einem Werteprozess immer in dieser Reihenfolge.
Zuerst eine lange Liste, dann Verdichtung auf sechzehn, auf acht, auf vier. Vier Werte kann sich ein Unternehmen merken, zehn nicht.
Dann die Übersetzung. Jeder Wert bekommt drei beobachtbare Verhaltensweisen aus Eurem Alltag, in Eurer Sprache. „Verlässlichkeit heißt bei uns: Wer einen Termin zusagt, verschiebt ihn höchstens einmal und sagt vorher Bescheid.“
Und dann die unbequeme Frage, die den ganzen Prozess ernst macht: Was passiert, wenn sich jemand nicht daran hält? Wer diese Frage überspringt, bekommt ein hübsches Poster und keine Veränderung.