Ambiguitätstoleranz
Ihr müsst am Donnerstag entscheiden, und drei der fünf wichtigen Zahlen wird es bis dahin nicht geben.
Ambiguitätstoleranz beschreibt die Fähigkeit, mit Unklarheit, Mehrdeutigkeit und widersprüchlichen Informationen umzugehen, ohne dabei die Handlungsfähigkeit zu verlieren.
Für mich ist das eine der wichtigsten Kompetenzen für Führungskräfte, und zwar unabhängig von Branche und Größe. Denn die Lage, in der alle Informationen vorliegen, gibt es im Führungsalltag praktisch nie.
WAS SIE IM ALLTAG BRINGT
Gelassenheit unter Unsicherheit. Nicht jede offene Frage muss vor der Entscheidung geschlossen werden.
Mehr Perspektiven. Wer Widerspruch aushält, sammelt mehr Sichtweisen ein, bevor er entscheidet.
Entscheidungsfähigkeit. Der eigentliche Punkt. Ohne diese Fähigkeit landest Du beim Abwägen des 87. Risikos, und der Markt hat inzwischen ohne Dich entschieden.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Ambiguitätstoleranz ist keine Gleichgültigkeit. Wer Widersprüche aushält, nimmt sie trotzdem ernst.
Sie ist auch keine Entschuldigung für schlechte Vorbereitung. Erst wird geklärt, was klärbar ist. Der Rest bleibt offen, bewusst.
Und sie ist nicht dasselbe wie Ambidextrie. Die beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, das Bestehende zu betreiben und gleichzeitig Neues aufzubauen. Ambiguitätstoleranz sitzt im Menschen, Ambidextrie im System.
SECHS WEGE, SIE ZU STÄRKEN
- Bewusstsein schaffen. Merken, an welcher Stelle Unklarheit bei Dir Stress auslöst.
- Perspektiven suchen. Gezielt jemanden fragen, der es anders sieht.
- Situativ bleiben. Nicht jede Lage verlangt dieselbe Reaktion.
- Widerstandskraft aufbauen. Wer erschöpft ist, verträgt weniger Unklarheit.
- Nachbereiten. Nach jeder Entscheidung unter Unsicherheit prüfen, was tatsächlich eingetreten ist.
- Üben. Bewusst kleine Entscheidungen mit unvollständiger Grundlage treffen, um das Gefühl kennenzulernen.