Fachliche und disziplinarische Führung
Deine Projektleiterin soll liefern, und über den Urlaub ihres Teams entscheidet jemand anderes.
Der Unterschied zwischen fachlicher und disziplinarischer Führung liegt in den Verantwortungsbereichen und in den Befugnissen. Er klingt technisch und entscheidet im Alltag darüber, wessen Anweisung gilt.
FACHLICHE FÜHRUNG
Anleitung, Koordination und Kontrolle der Arbeit in einem Fachbereich oder Projekt.
Verantwortung: Fachwissen vermitteln, Aufgaben planen und steuern, Qualität der Ergebnisse sichern, bei fachlichen Fragen beraten.
Befugnis: Anweisungen zu Arbeitsinhalt und Arbeitsmethode. In der Regel keine Entscheidung über Gehalt, Urlaub oder arbeitsrechtliche Maßnahmen.
Typische Rolle: Projektleitung oder Teamleitung ohne Personalverantwortung.
DISZIPLINARISCHE FÜHRUNG
Verantwortung für die Personalführung im rechtlichen, organisatorischen und zwischenmenschlichen Sinn.
Verantwortung: Personalentscheidungen von der Einstellung bis zur Trennung, Mitarbeitendengespräche, Zielvereinbarungen, Konfliktklärung, Einhaltung von Richtlinien und arbeitsrechtlichen Vorschriften.
Befugnis: Entscheidung über Gehalt, Urlaub, Arbeitszeiten, Abmahnungen.
Typische Rolle: Abteilungsleitung mit Personalverantwortung.
WARUM DIESE UNTERSCHEIDUNG IM ALLTAG ZÄHLT
Weil zwischen den beiden Rollen die meiste Reibung in Matrixstrukturen entsteht, und weil beide Seiten das selten benennen.
Die Projektleiterin braucht die Zusage einer Mitarbeiterin für die nächsten sechs Wochen. Der Abteilungsleiter hat andere Prioritäten. Beide haben recht, beide führen dieselbe Person, und keiner von beiden hat den Konflikt verursacht.
Was in dieser Lage hilft, ist selten ein Gespräch über Zusammenarbeit. Was hilft, ist eine Regel, wer bei Zielkonflikten entscheidet und wie eskaliert wird. Verantwortung dort, wo sie hingehört.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Fachliche Führung ist keine Führung zweiter Klasse. Sie ist häufig anspruchsvoller, weil sie ohne formale Befugnis auskommen muss.
Und die beiden Rollen schließen sich nicht aus. Je nach Struktur trägt eine Person beide Hüte. Nur wissen sollten alle Beteiligten, welcher Hut gerade aufliegt.