Konditionierung
Du sitzt seit drei Wochen an einer Entscheidung und drehst noch eine Schleife und noch eine Schleife.
Konditionierung beschreibt, wie unser Wahrnehmen, Bewerten und Entscheiden von außen geprägt wurde, lange bevor wir mitreden konnten. Die Prägung beginnt vor der Geburt und läuft über Eltern, Familie, Kindergarten, Schule, Lehrkräfte und das soziale Umfeld weiter.
Das Ergebnis ist ein Bewertungssystem, das im Hintergrund arbeitet und sich für die eigene Meinung hält.
WARUM DER VERSTAND ALLEIN NICHT REICHT
Zwei Zahlen, die ich in Workshops gern nebeneinanderstelle. Unser bewusster Verstand verarbeitet etwa vierzig Bit pro Sekunde. Unser Unterbewusstsein verarbeitet elf Millionen. Das Bewusstsein bearbeitet also einen Bruchteil von einem Promille der Daten.
Und trotzdem beansprucht der Verstand die Autorität über unser Leben. Dabei ist er stark nach außen orientiert. Er fragt nach Wertschätzung, nach Akzeptanz, nach Bestätigung. Was er selten fragt, ist, was tatsächlich zu Dir passt.
Dazu kommen die Gedankenkarusselle, in denen wir uns Szenarien ausmalen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht eintreten.
DIE INNERE STIMME, DREI GRUNDFORMEN
Aus meiner Arbeit heraus unterscheide ich drei Formen, wie sich die innere Autorität meldet. Die meisten Menschen haben eine davon als führende.
Die Stimme der Klarheit. Sie meldet sich nach emotionalen Wellen, nach Begeisterung und nach Frustration. Entscheidungen mitten in der Welle sind unzuverlässig. Wer zeitlichen Abstand schafft, spürt danach Klarheit. Der Schlüssel dazu ist Geduld.
Der innere Ja-Nein-Sager. Er reagiert unmittelbar auf klar gestellte Fragen, mit einem inneren Ja oder einem inneren Nein. Wer zögert, hat die Antwort gerade nicht. Diese Form arbeitet nur im Hier und Jetzt und zeigt verlässlich Grenzen und verfügbare Kraft an.
Das innere Warnsignal. Es schützt und meldet sich über feine körperliche Anzeichen. Es spricht leise und wiederholt sich nicht. Wer zu weit vorausplant, überhört es.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Konditionierung ist keine Schuldzuweisung an die Eltern. Jede Prägung hatte zu ihrer Zeit eine Funktion.
Sie ist auch keine Festlegung. Was gelernt wurde, lässt sich neu lernen, und das Hören der inneren Stimme gehört dazu.
Und sie ist keine Absage an den Verstand. Für Analyse, Kalkulation und Struktur bleibt er das beste Werkzeug, das wir haben. Nur als alleinige Entscheidungsquelle taugt er wenig, besonders unter Zeitdruck.