SMARTe Ziele
Ihr habt das Ziel im Januar beschlossen, und im Juni streitet Ihr darüber, was damit eigentlich gemeint war.
SMART ist eine Formel für Zielformulierungen. Fünf Buchstaben, fünf Prüfsteine. Sie ist alt, sie ist bekannt, und sie wird trotzdem in den meisten Zielvereinbarungen verletzt, die mir in Unternehmen und Verwaltungen begegnen.
DIE FÜNF BUCHSTABEN
Spezifisch. Eindeutig, konkret und positiv formuliert, so dass alle Beteiligten dasselbe darunter verstehen. Dazu gehört auch die Abgrenzung, was ausdrücklich nicht zum Ziel gehört. „Abbau von Arbeitslosigkeit“ ist ehrenwert und als Ziel unbrauchbar, weil sich niemand über die Größe einigen kann.
Messbar. Die Erreichung muss feststellbar sein. Wo direkt nichts zu messen ist, hilft eine Ersatzgröße oder eine Skala von eins bis zehn. Eins heißt gar nicht erreicht, zehn heißt bestmöglich erreicht, und dann schätzt Ihr den heutigen Stand und legt den Zielwert fest. Das ist jetzt kein Hexenwerk und löst die meisten Messprobleme.
Attraktiv. Das weichste der fünf Kriterien und trotzdem das, an dem die meisten Ziele sterben. Ein Ziel, das niemand will, führt über kurz oder lang in eine Krise. Ich lese das A bewusst als attraktiv und nicht als ambitioniert, weil Ehrgeiz ohne Zustimmung nur Druck erzeugt.
Ressourcen. Realistisch heißt: mit dem vorhandenen Geld, Material, Wissen, den Kompetenzen und Befugnissen in der gegebenen Zeit erreichbar. Wer das überspringt, produziert dauerhafte Überforderung und danach Frust.
Terminiert. Ein genauer Zeitpunkt für die Messung, dazu Meilensteine und die Verabredung, wer wen in welchem Rhythmus informiert.
WAS DIE FORMEL NICHT MEINT
Sie beschreibt den Zielzustand, keine Aktivitäten. „Wir führen ein neues CRM ein“ ist eine Tätigkeit. Das Ziel ist, was danach anders ist.
Sie macht ein Ziel auch nicht automatisch gut. Ein sauber formuliertes falsches Ziel ist ein falsches Ziel mit sauberer Formulierung.
Und sie ist kein Argument gegen große Ziele. Blickt man zurück, galten die wirklichen Durchbrüche im Vorfeld allesamt als völlig unrealistisch.
DREI ZIELARTEN, DIE ICH IMMER MIT VEREINBARE
Der Punkt, den fast alle auslassen, und der im Streitfall entscheidet.
Muss-Ziel. Wird es verfehlt, ist das Vorhaben gescheitert. Budgetgrenzen zum Beispiel oder technische Vorgaben. Muss-Ziele schränken die Lösungswege ein und gehören deshalb sparsam vergeben.
Soll-Ziel. Sollte weitgehend erreicht werden, eine Verfehlung bedeutet aber kein Scheitern. Kann im Verlauf zum Muss-Ziel werden, deshalb lohnt die Priorisierung von Anfang an.
Kann-Ziel. Wünschenswert, ohne Auswirkung auf den Erfolg. Wird oft mitgenommen, wenn es nichts kostet.
Wer diese drei Kategorien am Anfang vergibt, spart sich die Diskussion im Juni.