Zutrauen
Du gibst die Aufgabe ab und schaust dreimal nach. Deine Mitarbeiterin merkt das beim ersten Mal.
Zutrauen ist die Einschätzung, dass jemand einer Sache gewachsen ist. Es richtet sich auf eine konkrete Fähigkeit in einer konkreten Situation und beruht auf einer nüchternen Betrachtung dessen, was diese Person kann.
Damit unterscheidet es sich vom Vertrauen. Vertrauen richtet sich auf die Person und ihre Absichten. Zutrauen richtet sich auf ihr Können.
WARUM DIE UNTERSCHEIDUNG IM FÜHRUNGSALLTAG WICHTIG IST
Du kannst jemandem vollständig vertrauen und ihm eine bestimmte Aufgabe trotzdem nicht zutrauen. Das ist kein Widerspruch und keine Kränkung, sondern eine Aussage über Erfahrung und Übung.
Umgekehrt geht es auch. Du kannst jemandem viel zutrauen und ihm trotzdem nicht vertrauen. Das ist die unangenehmere Konstellation und deutlich schwerer zu bearbeiten.
Wer diese beiden Dinge auseinanderhält, kann klarer sprechen. „Ich traue Dir das noch nicht allein zu, deshalb machen wir das die ersten beiden Male zusammen“ ist ein Satz, den ein Mensch annehmen kann. „Ich vertraue Dir nicht“ ist es nicht.
WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT
Zutrauen ist kein Lob. Es ist eine Einschätzung, und sie darf auch negativ ausfallen.
Es ist auch keine Dauerkarte. Was Du jemandem heute nicht zutraust, kann in vier Monaten anders aussehen, und dann gehört die Einschätzung aktualisiert.
Und es ist kein Bauchgefühl. Wer sein Zutrauen nicht begründen kann, bewertet in Wahrheit Sympathie.
WORAUF ICH ALS ERSTES GUCKE
Zutrauen ist das, was ein Mensch braucht, um zu wachsen. Es schafft das Biotop, in dem jemand die nächste Stufe überhaupt versuchen kann.
Und es ist sichtbar, ob Du es hast. An der Zahl der Zwischenfragen, an der Ausführlichkeit der Anweisung, am Blick beim Bericht. Wer dreimal nachschaut, sagt damit alles, ohne ein Wort zu sagen.