Energie durch Entwicklung
Glossar

Wohlwollen

Die Mail Deines Kollegen war knapp. Du hast sie als Angriff gelesen, und er hatte schlicht wenig Zeit.

Victoria Beckers 1 Min. Lesezeit

Wohlwollen ist eine Grundhaltung mit zwei Richtungen. Die erste: Ich meine es gut mit meinem Gegenüber. Die zweite, die häufig vergessen wird: Ich unterstelle meinem Gegenüber, dass er es ebenfalls gut meint.

Diese zweite Richtung entscheidet darüber, wie viel Reibung in einer Zusammenarbeit entsteht.

SO SIEHT DAS IM ALLTAG AUS

Es gibt achtunddreißig Varianten, eine knappe Mail zu deuten. Ohne Wohlwollen wählst Du zuverlässig die schlechteste.

Der Kollege hat nicht geantwortet, also ignoriert er Dich. Die Kollegin hat im Meeting geschwiegen, also ist sie dagegen. Die Geschäftsführung hat das Thema vertagt, also nimmt sie es nicht ernst.

Jede dieser Deutungen kann stimmen. Und jede kostet Dich einen Tag Ärger, wenn sie falsch war.

WARUM DAS IN VERÄNDERUNGSPROZESSEN ZÄHLT

In stabilen Zeiten fällt fehlendes Wohlwollen kaum auf. In Veränderungsprozessen wird es zum entscheidenden Faktor, weil dort ständig unvollständig informiert wird und weil Menschen unter Druck knapper werden.

Ein Team mit Wohlwollen fragt nach. Ein Team ohne Wohlwollen deutet.

WAS DER BEGRIFF NICHT MEINT

Wohlwollen ist keine Naivität. Du kannst jemandem eine gute Absicht unterstellen und sein Verhalten trotzdem klar ansprechen.

Es ist auch keine Harmoniepflicht. Wohlwollen und Klartext gehören zusammen, sie schließen sich nicht aus.

Und es ist nicht dasselbe wie Sympathie. Wohlwollen ist eine Entscheidung, Sympathie ist ein Gefühl.

Und jetzt?

Es gibt achtunddreißig Varianten, einen Satz zu deuten. Wohlwollen ist die Entscheidung, nicht die schlechteste zu nehmen. Wenn bei Euch aus Kleinigkeiten regelmäßig Konflikte werden, lass uns eine halbe Stunde sprechen.

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